Anmerkungen aus gegebenem Anlass von "Turnvater" Jahn
zum Auskang der 125-Jahr-Feiern des MTV Dießen von 1879:

Liebe Dießener,

ich darf mich Ihnen auf diesem Weg kurz in Erinnerung rufen. Man nennt mich "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852). Als Pädagoge habe ich vor langer Zeit die Turnbewegung - damals für die Knabenerziehung - in Deutschland initiiert. So verdankt es der "Männer-Turn-Verein Dießen e.V. von 1879", meinem Wirken, dass er in diesem Jahr 2004 sein 125-jähriges Jubiläum feiern durfte. Alle, die sich dem MTV Dießen verbunden fühlen, waren - letztmalig am 8.10. in dieser Zeitung - zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in der Mehrzeckhalle eingeladen. Gekommen sind zu diesen drei Tagen "Vereins-Oktoberfest" verdächtig wenig Mitglieder, so dass ich in meinem Grab fast ins Rotieren kam.
Wenn ein so großes "Unternehmen" mit über 1700 - inzwischen auch weiblichen -Mitgliedern, von ehrenamtlichen Kräften geführt, ein farbenprächtiges und feierliches Kulturprogramm auf die Hallenbühne stellt, dann hat das wahrlich Zulauf und nicht Ignoranz verdient. Und das Argument einiger "Verweigerer", die Veranstaltung wäre schlecht beworben bzw. man sei sogar nicht persönlich eingeladen worden, zählt nicht! Da stehe ich (mit der aktuellen Vorstandschaft) über den Dingen: Der Verein rief lange und deutlich; daran hat es sicher nicht gelegen. Aber: "Wie man es macht, ist es verkehrt!" Andernorts werden Unsummen für "Fitness und Feuilleton" ausgegeben. In Dießen aber hat der gemeinnützige MTV ein kostengünstiges, abwechslungsreiches wie interessantes Fest geplant und durchgeführt. Meine heutige Vereinsschar "glänzte" dabei aber vielfach durch Abwesenheit. Möglicherweise hilft für die Zukunft das inständige Mitbeten von Minister Goppel und Landrat Eichner beim Dankgottesdienst. Es muss nicht so bleiben: Ein Verein kann und darf miteinander feiern!
Weil ich die jetzige Turn-Spartenleiterin Katharina Roppert am diesjährigen Volkstrauertag (14.11.) mit der Vereins-Fahnenabordnung beim Totengedenken beobachten durfte, sind mir so einige chronologische MTV-Gedanken, auch erinnernd an alle gefallenen und verstorbenen Vereinsmitglieder, in den Sinn gekommen. Hoffnungsvoll vorausschauend freut es mich abschließend, dass Dießens Turner zum Deutschen Turnfest 2005 wieder einmal mein geliebtes Berlin besuchen werden:

Es war einmal ...

Friedrich Jahn bin ich genannt und komme nun nach Dießen her, um von früher zu berichten, dem Turnverein zur Ehr.
Ein Häuflein Männer war 1879 bereit, den Turnverein zu gründen. Sie hofften, dass die Jugend sich zum Turnen werde finden.
Der Turnverein wurde seinerzeit in Dießen großgeschrieben, man hatte dann vor 75 Jahren schon gute Turnerriegen.
Später waren Herr Seizl und Herr Höchst lange Zeit die ersten Vorstandsmänner. Die Freud´ zum Turnen war schon früh geweckt,
genau wie bei mir und meinen Männern. Das Vereinslokal war lange das heutige Jugendheim, Herr Tiefenthaler war dort Vater
vom ganzen Turnverein. Es waren so manche gute Sportler dabei mit Mut und Kraft doch leider haben sie dann zwei Kriege
brutal hinweggerafft. Im Turngau Weilheim - Werdenfels haben sich unsere Turner auch bewährt und wurden dann vom Gauvorstand
mit einem Lorbeerkranz geehrt. Ein lustig Völklein waren die Mädchen und trugen stolz auch ihren Dress mit Pumphosen bis an die Knie,
Mensch, waren sie da kess. Und lustige Begebenheiten bei Turnfesten gab es viel einmal, man weiß es noch wie heut,
war Landsberg am Lech das Ziel: Zwei Mädchen hatten gar kein Geld und haben sich nicht geniert, sie konnten keine Wurst sich kaufen,
drum haben sie Senf aufs Brot geschmiert. Dem Turngau Amper-Würm später zugeteilt der Turnverein aus Dießen blieb stets bereit.
Im Jahre ´89 fand in Bamberg ein Bayerisch Turnfest statt woran eine große Abordnung aus Dießen auch teilgenommen hat.
Dabei die jungen Volleyball-Burschen waren voller Lust am Feiern, und sportlich höchst erfolgreich vertraten sie das heimische Oberbayern.
In den Bierschänken der schönen Stadt, hielten sie aus auf dem Kellerfeld; sie bezahlten ihre Zeche -
und aus war´s mit dem Geld. Da hatte einer keine Lust mehr, und wollte zurück ganz ruckzuck, d.h. nicht mitfahren heim - im Turner-Sonder-Zug.
Unterwegs borgte er sich mit viel Geschick so manche Mark für das Unterfangen, damit er konnte fahren und zum Ammersee gelangen.
Noch wilder war´s im Jahre ´34: In Augsburg mit der Eisenbahn kamen vom Turnfest aus Nürnberg abends 8 Uhr die Dießner Turner an.
Den Anschluss nach Hause hatten sie übersehen d´rum mussten sie - notgedrungen - in ein Gasthaus gehen.
Dort kamen sie aus dem Maßkrug nicht mehr heraus und fuhren anderntags, früh 5 Uhr, ziemlich angeheitert nach Haus.
Doch ehe der Zug abfuhr, merkten sie, es war kaum zu fassen, sie hatten die Fahne in der Wirtschaft zurückgelassen.
Einer holte die Fahne, die andern sind mit dem Zug abgezischt; mit einem Taxi hat dann der Fahnenträger in Augsburg-Hochzoll gerade noch den Zug erwischt.
Sie hatten es also wieder einmal geschafft, es war auch höchste Zeit, denn am Bahnhof Dießen stand schon Herr Neher bereit.
Er sagte: "Ihr könnt ja noch länger brauchen von Nürnberg heimzureisen, ihr müsst jetzt gleich mit der Fahnenabordnung einem Vereinsmitglied die letzte Ehre erweisen."
Berlin ist sportlich immer ein gern besuchter Ort und auch im nächsten Jahre ´05 ist wieder Turnfest dort.
Eine Gruppe Turner fährt hin nach 18 Jahr´ und nimmt Quartier für alle jetzt in der nicht mehr geteilten Stadt in einer großen Schulturnhalle.
Zum Glück für Nimmermüde, die an der Spree wollen viel erleben, wird dort die Nacht zum Tage, so sind sie lange lokal zugegen.
Und singen früh Morgens - lustig von Wein und Bier - erreichen hoffentlich die Straße und fast auch das Quartier.
Glücklicherweise ist aber immer frühzeitig im Bettele die MTV-Herbergsmutter - alias Gisela - Sättele.
Erwacht vom fröhlichen Gesang sieht sie zum Fenster ´naus und denkt - "Die Dieß´ner finden wieder nicht heim - die gehen vorbei am Haus".
Hin und her schwenkt sie die Lampe und schreit - "Hier halt ich die Wacht", und denkt - "Das wird ein Wettkampf werden - Gute Nacht!"
Es gäbe noch vieles zu berichten, wie es war und wie es sei, doch Schluss für heut - mit einem Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei - der Dieß´ner Turnerschar.
Turnvater Jahn darf bald beschließen das 125. MTV-Jubiläumsjahrfest der regen Sportgemeinde Dießen, und wünscht für die Zukunft das Allerbest.

(Aktualisierte Anlehnung an die 79-er Festschrift)